Manila/Philippinen; 2011-2012; Pallottinerinnen

Daniela Schneider – Philippinen

Früher Morgen. Überm Fluss hängen noch Nebelschwaden, in der Ferne verschwinden die Berge im Blau. Palmen, exotische Pflanzen überwuchern die Ufer. Ein Vogelschwarm fliegt auf. Idylle? Nur scheinbar. Ein paar Meter weiter führt eine Betonbrücke über den Fluss und trotz der frühen Stunde hat sich schon ein Stau gebildet aus überfüllten Jeepneys, Tricycles und Lastern, die so aussehen, als würden sie nur vom Rost zusammengehalten werden. Vor ihnen liegen 2 Stunden Fahrt auf einer holprigen Bergstrasse und durch den Müllbergdistrikt Payatas bis in die Megametropole Manila, die Hauptstadt der Philippinen. Ich schaue mir das ganze aus dem Garten der Schule an, in der ich nun schon seit einem halben Jahr lebe und arbeite.

Schon kommen die ersten Kinder für die Vorschule. Janine pustet mir einen Kuss ins Ohr, Cholo will mit mir Fangen spielen und Stephanie strahlt und kann es wie immer gar nicht erwarten, loszulegen. Gleich nach dem Begrüßungsritual werde ich von ihrer feuchten kleinen Hand entführt. Aus einem Regal nimmt sie sich eine Schale mit Muscheln. Sie legt sie in kleine Reihen, eins bis zehn, und gemeinsam zählen wir: One, two, three…“ „Heute ist Freitag. Da gibt es nicht wie sonst Mathe- oder Englischunterricht, sondern für die Jüngeren eine Art Activity und für die Älteren (vierte bis sechste Klasse) gebe ich eine Pianicastunde. Darauf haben sie sich schon die ganze Woche gefreut und begeistert geübt. Und, weil Freitag ist, gibt es „Playtime“. Wir spielen Schweinchen in der Mitte und Badminton. Am Schluss muss die Verlierermannschaft unter den gespreizten Beinen der Gewinner durchkrabbeln, das ist hier so Brauch. Nicht alle Kinder werden pünktlich abgeholt und so heisst es noch fangen spielen, bis ich schliesslich verschwitzt, und erschöpft, von Moskitos zerstochen, aber gleichzeitig unheimlich lebendig die letzten Kinder verabschiede. Ich schaue aus dem Fenster in die dunkle Welt. Und bis spät in die Nacht kann ich die Kinder noch Pianica üben hören. (Januar 2012)