Togo und Bénin; 2010-2011; Steyler Missionsschwestern

Christina Blätterbinder – Benin

An der Omnipräsenz der HIV/Aids-Thematik kommt man hier in Afrika nicht vorbei. Ein junges Mädchen, das diesen Virus schon seit der Geburt in sich trägt, war eine Zeitlang Dauergast bei den Schwestern. Ihr Schicksal hat mich persönlich sehr berührt, weshalb ich kurz aus ihrem Leben berichten möchte. Seit dem Tod ihrer Eltern wohnt sie bei entfernten Verwandten. Dort hat sie es scheinbar nicht mehr ausgehalten. Immerzu wurde ihr gesagt: Greif das nicht an, mach das nicht, du hast Aids! Trotz aller Informationskampagnen, trotz der Sensibilisierungsmaßnahmen in der Öffentlichkeit sind Unwissenheit und diffuse Ängste bezüglich dieser Krankheit immer noch riesengroß. Dieses Mädchen hat aus lauter Verzweiflung fast nichts mehr gegessen und die so wichtigen antiretroviralen Medikamente nicht mehr genommen. Sie wollte einfach nicht mehr leben! Kurz vor ihrem Tod am 15.11. war sie noch zur Untersuchung in einem Krankenhaus. Ich war dabei als der Arzt gefragt hat: „Karima, willst du leben oder sterben. Wenn du leben willst, musst du deine Medikamente nehmen und regelmäßig essen!“ Sie hat mit ihrer schwachen Stimme noch hervorgebracht: „Ja, ich will leben!“ Sie ist noch in derselben Nacht an der Immunschwächekrankheit gestorben. (November 2010)

Beschenkt mit zahlreichen pagnes, traditionellen tissues, und wunderbaren Erfahrungen mit faszinierenden Menschen brechen nun also wirklich meine letzten Tag hier in Ouake, Benin an. Am 15. Juli verlasse ich Benin in Richtung Lomé. Dort werde ich noch letzte eventuelle Besorgungen machen, bevor dann am 23. Juli abends mein Flug zurück nach Österreich geht. Dieses knappe Jahr hier in Afrika war für mich ein unvergleichlich schönes Jahr, das mich in meiner ganzen Persönlichkeit bereichert und verändert hat. Liebe Familie! Liebe Verwandte! Liebe Freunde, Bekannte und an meinem Einsatz Interessierte! Ich danke euch allen sehr herzlich für euer Interesse an meinem Einsatz, für eure Hilfe und Unterstützung. Ich bitte euch nur die unregelmaessige Kommunikation zu entschuldigen. Aber eines kann ich versichern: Wenn sie auch nur recht unregelmaessig gekommen sind: Jeder Rundbrief kam vom Herzen. Ich bin voll des Respekts für die Menschen hier, deren Leben so anders als das meine und nicht einfach ist. Trotzdem haben wir uns verstanden und einen Weg zueinander gefunden. Ich denke der folgende Ausspruch von Arnold Janssen kann nicht nur als missionarisches Credo, sondern auch für unseren Alltag gelten: Wenn wir all das tun, was in unseren Kräften steht, dann tut Gott das übrige! Danke und eso emo = Gott segne euch! Ich freue mich schon riesig euch alle wiederzusehen! (Juli 2011)