Quito/Ecuador; 2009-2010; Missionsdominikanerinnen von Schlehdorf

Monika Seidl – Ecuador

“Es gibt viele Gründe hier zu bleiben. Jeder Grund ist gut. Aber ich weiß dass du gehen wirst – gehen musst.“ Dieser Satz aus meinem Aussendungsgottesdienst ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Ja – ich bin gegangen – ich musste gehen. Ich bin froh diesen Schritt gewagt zu haben. Aber nun stehe ich am anderen Ende der Erde und der Spruch passt wiederum wie die Faust aufs Auge. Wieder muss ich aufbrechen, fortgehen, obwohl es so viele Gründe gibt hier zu bleiben. Dies hier ist meine letzte Rundmail. Jetzt wird es Zeit etwas sentimentaler zu werden.

[...] Armut. Ich habe mich bewusst auf Armut eingelassen – aber was bedeutet Armut? Wie definiert man Armut? Wie erkennt man Armut? Diese Fragen habe ich mir vor allem am Anfang meines Aufenthaltes gestellt. Ich bin mit der Erwartung hier hergekommen, dass ich lauter ganz ganz arme Menschen treffen werde. Mein erster Gedanke aber war „die sind doch alle gar nicht arm“. Aber kann man das – oberflächlich betrachtet, auf den ersten Blick erkennen? Nein. Erst beim genaueren Hinschauen erkennt man die kaputten Klamotten, Schuhe die zu klein sind, extrem schlechte Zähne, Kinderarbeit, Schwangere die bis kurz vor der Geburt arbeiten müssen, Mütter die während der Arbeit ihre Babys auf dem Rücken gebunden mittragen. Von den Leuten hier konnte ich viele neue Gewohnheiten, Sitten und Gebräuche sehen und lernen und miterleben. Die Leute hier haben mir viel gegeben, neue Sichtweisen. Ich konnte ihnen kein besseres Leben geben- das Leben hier hat sich durch mich für sie nicht verändert, aber ich konnte – vor allem die Kinder – zum Lachen bringen, ihnen schöne Momente bereiten, die sie vielleicht nie wieder erleben werden – bzw. nicht erleben können. (August 2010)