Tapacari/Bolivien; 2009-2010; Steyler Missionsschwestern

Mirjam Fusenig – Bolivien

Ein herausragendes Highlight im April war das Ostertreffen in der Dorfgemeinschaft ‚Callanca‘, weiter oben in den Bergen der Provinz Tapacarí auf ca. 4000 m Höhe. Gemeinsam mit der achten Klasse und zwei Lehrerinnen des Internats machten wir uns am Freitagnachmittag auf den Weg. Zunächst gingen wir einige Kilometer durch den ausgetrockneten Fluss, daraufhin erfolgte am Fuße eines Berges der steile Anstieg, der all unsere Kräfte erforderte. Nach ungefähr vier Stunden erreichten wir endlich unser Ziel und konnten die atemberaubende Aussicht genießen. Unser Nachtlager war eine kleine Hütte, in der wir mit 32 Personen eng aneinander gereiht auf dem strohbedeckten Boden schliefen. So ließ sich zumindest die eisige Kälte der Nacht gut überstehen.

[…] Am Samstagmorgen brachen wir bereits um 5 Uhr in der Früh zu einem Kreuzweg auf, auf welchem an 15 Stationen Halt gemacht wurde, um zusammen zu singen und zu beten. Als wir mit dem riesigen Holzkreuz den Gipfel des Berges erreicht hatten, wurde dieses dort aufgestellt. Danach segnete der Pater die Kranken, indem er ihnen die Bibel auf den Kopf auferlegte. Außerdem sprachen sich die Gläubigen in Paaren ihre Sünden von der Seele, um sich diese gegenseitig zu vergeben. Im weiteren Verlauf des Tages wurden die entsprechenden Bibelstellen der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu gelesen, interpretiert sowie in kleinen Rollenspielen veranschaulicht. Um auch den kulturellen Aspekt nicht zu kurz kommen zu lassen, führte jede der teilnehmenden Gruppen einen traditionellen Tanz oder ein Lied auf. […] Für uns persönlich waren diese Tage eine ganz besondere Erfahrung, da wir das sehr einfache Leben der indigenen Landbevölkerung nah an der Natur und am Ursprung miterleben durften. Vor allem inspirierte uns, welche Kraft die Menschen dort aus diesen Zusammentreffen für ihren Glauben ziehen. Durch die Gebete und Gesänge ließen auch wir uns mitreißen und spürten diese einzigartige Energie. (Mai 2010)