Chezi/Malawi; 2009-2010; Franziskanerinnen Salzkotten

Franziska Hermann – Malawi

Religion ist hier im Alltag verankert. Es passiert oft, dass im Bus gebetet, gepredigt oder gesungen wird. Beispielsweise haben mich die Kinder in der Schule drauf hingewiesen, dass ich nicht nur “ tionana mmawa”- wir sehen uns morgen sagen kann, sondern noch “Mulungu akalola”- wenn Gott es erlaubt, anhängen muss. (November 2009)

Ich muss zur Zeit akzeptieren lernen, dass ich immer “Azungu”, die Weiße, bleiben werde. Einmal einfach weil meine Hautfarbe anders ist, aber auch weil ich mehr Geld habe als die Malawier, weil ich eine andere Schulbildung genossen haben, ein anderes Leben in Deutschland kenne. Mir wird immer und immer wieder “Give me money” hinterhergerufen und die Kinder fragen mich ob ich sie nicht mitnehmen kann nach Deutschland, wenn ich gehe. (Januar 2010)

Am meisten zu tun habe ich mit den Kindern und das geniesse ich sehr, obwohl sie mich manchmal ganz schön anstrengend sind., zu unmöglichen Zeiten bei mir klopfen, kämpfen, sich Dinge gegenseitig klauen und so weiter. Es ist trotzdem schön für sie da zu sein. Manchmal klopft es abends an die Tür und jemand will einfach kurz reden, wahrgenommen werden, eine gute Nacht gewünscht bekommen. Wenn man morgens ein weinendes Mädchen vor der Tür hat und ihre kaputten Flipflops mit einer Sicherheitsnadel flicken kann und sie dann fröhlich an der Hand zur Kirche hüpft, dann ist für mich schon der ganze Tag eine Freude. Wenn ein Kind zur Bücherei kommt und auf die Frage: Was möchtest du? mit einem schlichten “Lernen” antwortet, dann muss und möchte ich mich einfach mit ihm hinsetzen und lesen. (April 2010)