Yabello/Äthiopien und Endulen/Tansania; 2008-2009; Spiritaner

Florian Schneider – Äthiopien

Ich werde von meinen eigenen Namensgenossen ganz schön ausgesaugt. Was vielen jetzt vielleicht einen Schrecken einjagt, ist für mich eigentlich überhaupt nicht schlimm, ganz im Gegenteil bin ich stolz darauf. Denn ich habe die Flöhe dadurch bekommen, dass ich den Menschen hier einfach sehr nahe bin. Das ist auch nicht so schwer, denn, wenn man mit jemanden redet oder einfach nur Schiri-Schiri (Amharisch für die Zeit mit einem guten Freund bei einem gemächlichen Spaziergang zu verbringen) geht, hat man immer sehr engen Körperkontakt. Sprich: man fasst sich an die Schultern, verharrt in einer Umarmung oder geht Händchen haltend durch die Stadt. Was sich ganz nach Maedels-Zeug anhoert ist reine Männersache. Ja, für gestandene Mannsbilder ist es ein Zeichen von tiefer Freundschaft und Verbundenheit mit seinem Freund immer Körperkontakt zu haben und der Stolz eines Männerpaares erfüllt dabei die ganze Strasse. Für mich war das in den ersten Wochen eine ziemliche Umstellung, dass Männer öffentlich so viel Gefühl zeigen und dabei die Frauen leicht in den Schatten stellen. (Januar 2006)